risottoumdiewelt.de | Weniger ist Mehr
51564
single,single-post,postid-51564,single-format-gallery,eltd-core-1.0.3,ajax_fade,page_not_loaded,,das neue childtheme-child-ver-0.1,borderland-ver-1.9, vertical_menu_with_scroll,smooth_scroll,paspartu_enabled,paspartu_on_top_fixed,paspartu_on_bottom_fixed,wpb-js-composer js-comp-ver-4.12.1,vc_responsive

Weniger ist Mehr

Weniger ist Mehr

Dass „weniger ist mehr“ – oder wie es so schön Neudeutsch heißt:„Live simply“ zutrifft, musste ich, Torsten, auf meiner ersten Solo-Trekking-Tour in Norwegen feststellen. Ich konnte einen großen 110 Liter Rucksack füllen, den ich mir extra für die Tour zugelegt hatte. Zu dieser Zeit war das der Standard-Rucksack der norwegischen Armee. Somit also sehr passend für meine erste Solo-Trekking-Woche in Norwegen. Schnell war der Rucksack mit dem notwenigen Zelt, Kocher, Lebensmitteln, Ausrüstung, Kleidung, zwei Büchern und noch vielen anderen Dingen, auch unsinnigen, mehr gefüllt. So kamen 32 kg zusammen. Ich war Mitte Zwanzig und gut im Training, also kein Thema… und los ging es. Es war die Hölle. Schlechtes Wetter, dadurch waren die Pfade megaschlammig und jeder Schritt musste präzise gesetzt werden. Mit 32 kg auf dem Rücken nicht ganz so einfach. Zudem kam die psychische Belastung hinzu, das erste Mal alleine unterwegs zu sein. Dann kamen Blasen an den Füßen hinzu – und noch mehr Regen. Der Rucksack wurde nicht wesentlich leichter, trotzt dem ein oder anderen Lebensmittel, das ich verbraucht bzw. sogar entsorgt habe, da ich einfach zu viel mithatte. Ich muss wohl Sorge gehabt haben zu verhungern. Ich muss im Nachhinein sagen, dass es eine sehr lehrreiche Erfahrung war, die ich nicht missen möchte. Über die Jahre wurde die Ausrüstung immer angepasster und reduzierter. Wenn ich packe, stelle ich mir immer eine zentrale Frage: was brauche ich WIRKLICH für die geplante Trekking- oder die Klettertour? Was kann ich unterwegs besorgen? Welche Kleidung kann ich kombinieren wenn es mal kälter wird? Sicherlich helfen auch moderne Materialen dabei Gewicht zu reduzieren. Aktuell plane ich eine Trekking-Tour über mehrere Monate und komme auf 13,5 kg Ausrüstung inkl. Zelt, Kocher, und so weiter. Hinzu kommen dann nur noch die Lebensmittel. Es geht also deutlich gewichtsreduzierter und dennoch sind auch immer zwei bis drei Dinge für die „Seele“ und höheren Komfort dabei. Meine Freude an den Touren hat sich immer mehr erhöht, je leichter ich unterwegs war. Neben der zunehmenden Freude ist ein zusätzlicher Pluspunkt das Sehr an Sicherheit. Schnelligkeit, mehr Agilität und weniger Kraft die ich aufwende, kommt definitiv ebenfalls auf die „Haben“-Seite.

 

„Weniger ist mehr“ ist also zu einer Selbstverständlichkeit bei meinen Hobbys geworden. Und im Alltag?

 

Ein guter Indikator diese Frage zu beantworten war für mich immer der Keller bzw. der Dachboden. In der Regel sind diese beiden Orte nicht im Blickfeld, genauso wenig wie die Vielzahl von Schubladen und Schränken, die man zuhause hat.
Im Alltag war ein „weniger ist mehr“ bei mir erst deutlich später angekommen. Zwei Ereignisse brachten dafür die A-Ha Erlebnisse: zum Einen meine Scheidung. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es alles andere war als ein Rosenkrieg. Während der Scheidung habe ich mir einmal gezwungenermaßen vor Augen geführt, was ich/wir so alles angehäuft hatten. In Summe von 17 Jahren eigenem Hausstand hat sich einfach viel angesammelt. Trotzt einiger Umzüge und damit verbundenem ausmisten waren immer noch viele Dinge dabei, die einfach nur rumstanden und seit Jahren ungenutzt blieben.
Das zweite einschneidende Ereignis war die Weltreise von Rieke. Wir lernten uns nur wenige Monate vor Ihrer Solo-Weltreise kennen. Rieke reduzierte Ihren Hausstand deutlich und startete Ihre 10-monatige Weltreise mit einem Rucksack, der gepackt 8,6 kg wog. Das hat mich sehr beeindruckt.

 

Ende 2015 fiel dann die Entscheidung, nach Riekes Heimkehr nochmal zusammen loszureißen und gemeinsam von Kanada nach Patagonien zu fahren. Einher ging die Kündigung und ebenso die Entscheidung, meine damalige Wohnung aufzulösen. Somit wurden alle Schränke, Regale und der Keller entrümpelt. Trotz der Scheidung und eines Umzuges, der keine vier Monate her war, bekam ich genug in der Hände, was sich lohnte zu verkaufen, zu verschenken oder zu entsorgen. Der Rest, der nicht mit auf Reisen ging, wurde bei Freunden eingelagert. Die Entscheidung auf Reisen zu gehen, die beiden beschriebenen einschlagenden Ereignisse und die Erfahrung aus meinen Hobbys veränderte einfach meine Sichtweise.

 

Rieke und ich sind jetzt rund fünf Monate unterwegs. Wir leben auf knapp sieben Quadratmetern zu zweit, und es gibt nichts was ich vermisse. Nur die Freunde und Familie fehlen. Na ja, und Papier mal wieder in die Toilette zu schmeissen anstatt in einen separaten Eimer, denn das schaffen die Abwassersysteme hier schlichtweg nicht, anders als bei uns zuhause.
Oft diskutieren wir das Thema „was brauchen wir wirklich“?. Wir haben für uns festgestellt, dass uns Konsum oftmals einfach nur abgelenkt hat. Abgelenkt vom Leben und davon sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Konsum hat uns nicht nicht glücklicher gemacht, er hat uns vielleicht sogar unzufriedener gemacht. Uns geht es nicht um totalen Verzicht, wir wollen einfach bewusster konsumieren, wenn wir konsumieren – schließlich ist diese Reise auch so etwas wie „konsumieren“, nur ist es mehr der Konsum von Zeit und Natur anstatt von materiellen Dingen. Es muss für uns halt nicht immer mehr, schneller oder weiter sein. Vielmehr geht es um ein gutes Maß für uns selbst und nicht um totalen Verzicht. Schon darüber miteinander zu sprechen was „weniger ist mehr“ bedeutet hatte und hat für uns einen Mehrwert. Gut investierte Zeit und hilfreich, sich selbst zu reflektieren.

 

Safe travels,

 

Rieke & Torsten

IMG_0868