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Sicherheit?!

  • Torsten auf dem Salar de Uyuni
  • Auf nach Süden

Sicherheit?!

Was bedeutet Sicherheit? Wir denken, dass dies eine sehr individuelle Frage ist und von verschiedensten Faktoren abhängt. Zu dem hat Sicherheit verschiedene Aspekte. Sicherheit findet man in seinem Partner, seinen Freunden oder in einem festen Einkommen. Ein Beispiel: für einen Teil unserer Eltern ist Sicherheit ein festes Einkommen, eine Wohnung und einen guten Job zu haben. Das sind Dinge die wir mit dieser Reise erst einmal bewusst hinter uns gelassen haben. Mit dem angesetzten Maßstab der Eltern war es logisch, dass auch Sätze fielen wie: „Ihr seit ja verrückt. Ich dachte Du bist vernünftig geworden. Du wirst schon sehen was Du davon hast. Wie kannst Du nur.“

Wer gibt schon freiwillig seine Sicherheit auf? Schließlich will man nur das Beste für seine Kinder. Das Beste für sein Kind zu wollen, geht ein her mit Sicherheit. Somit lagen einige Reaktionen des Elternteil quasi auf der Hand, bevor wir es überhaupt ausgesprochen hatten.

Schon Jahre vor der Entscheidung meinen Job zu kündigen und eine solche Reise anzutreten habe ich, Torsten, mich mehr oder weniger unbewusst mit einem Aspekt von Sicherheit auseinandergesetzt. In vielen Gesprächen mit einen meiner besten und engsten Freunde. Wir waren im gleichen Unternehmen beschäftigt und befanden uns etwas zeitversetzt mit Anfang 30 auf einer Karriereleiter. Erste Verantwortung als Führungskraft für Umsatz und Geschäftsergebnis. Das begann für mich sechs Jahre nach dem Studium. Wow. Was für eine Chance und tolle Aufgabe. Ich war und bin nach wie vor dem Unternehmen sehr dankbar für diese Möglichkeit und Erfahrungen zu sammeln. In Summe waren es 16 Jahre in der Firma. In dieser Zeit bin ich auch ein Stück gereift. Bereits während des Studiums absolvierte ich mein erstes Praxissemester, hier hatte ich zudem die Chance während der Fachhochschule Geld hinzu zu verdienen, Berufseinstieg und dann Führungskraft. Wie ich denke, für beide Seiten eine „win-win“ Situation.

Meine Sichtweise auf einen Aspekt von Sicherheit hat sich während der Jahre als Führungskraft verändert. Wie? Dazu noch ein Schritt zurück auf Anfang: Es war ein tolles Gefühl vom Unternehmen gefragt zu werden, ob ich eine Führungsverantwortung wahrnehmen möchte. Bevor ich die Aufgabe antreten konnte, musste ich noch durch ein Auswahlverfahren, in dem ich von Personalberatern auf Herz und Nieren überprüft worden bin. Das muss ganz gut gelaufen sein, denn es folgte eine Zusage. Das war ein tolles Gefühl, diese Chance zu bekommen, solch eine erste Führungsaufgabe zu übernehmen. Den Druck, der daraus entstanden ist erfolgreich zu sein, musste das Unternehmen übrigens gar nicht aufbauen, das machte ich schon selber. Schließlich wollte ich das Unternehmen, meine Chefs nicht enttäuschen, die mir solch eine Möglichkeit gegeben haben.Einen Großteil meiner Sicherheit zog ich in den ersten Jahren aus dem Unternehmen, für das ich arbeiten durfte. Ich dachte, da ist schließlich „jemand“, der mir das ermöglicht hat, genau diese Verantwortung zu übernehmen.

Genau dieses Verhältnis war oft Grund für Gespräche mit einen meiner besten und engsten Freunde. Welche Abhängigkeit haben wir vom Unternehmen oder ist das Unternehmen doch (auch) von uns abhängig? Anderes gefragt: hole ich mir die Sicherheit daraus, dass das Unternehmen mir einen Job zur Verfügung stellt oder hole ich die Sicherheit aus mir selbst?

Das Umfeld des Unternehmens änderte sich. Vor einigen Jahren wurde der Konzern an Finanzinvestoren verkauft. Somit wurde alles deutlich zahlenorientierter. Was gut war um das Geschäft besser zu steuern. Der Konzern wurde für die Börse aufgestellt. 2008 kam die Finanzkrise dazwischen und so verzögerte sich der Börsengang um einige Jahre. Nicht nur das Umfeld änderte sich, auch ich realisierte für mich immer mehr, dass ich nicht vom Unternehmen abhängig bin. Schließlich machen die Menschen das Geschäft und nicht alleine die Organisationsform eines Unternehmens. Diese Erkenntnis machte mich gelassener und nicht weniger erfolgreich bei den übertragenden Aufgaben. Ich fühlte mich weniger getrieben dem Unternehmen zu bestätigen, dass ich der Richtige für die Position bin.

Dann stellte sich einige Jahre später die Frage nach einer Auszeit. Was würde wohl mein Chef denken? So etwas fragt man doch nicht. Das hatte bis dato noch kein leitender Angestellter im Unternehmen gemacht. In vielen Gesprächen redeten Rieke und ich darüber. Eine zentrale Aussage von Rieke war: „Was soll passieren, es ist nur eine Frage. Er wird dir schon nicht den Kopf abreissen.“ Schließlich fasste ich den Mut und sprach meinen Chef an. Das war ein ungewohntes Gesprächsthema für uns beide. Nach einiger Zeit beschloss ich zu kündigen, da Rieke und ich unsere Reisepläne auf zwölf Monate ausweiteten. Unsicherheit kam nur kurz auf. Denn eines war für mich klar, es war kein „weg“ vom Unternehmen, es war die Entscheidung für ein „hin“ zu dieser Reise, die nun schon einige Monate andauert und die ich bisher keine Sekunde bereut habe.  Nach der Kündigung machte sich ziemlich schnell ein befreiendes Gefühl breit, diesen Schritt getan zu haben. Wir leben nur einmal und warum bis zur Rente warten? Wer weiß was bis dahin alles so passiert.

Sicherheit ohne Job? Geht das? Natürlich war dort ein wenig Erspartes auf dem Konto, das ein Auskommen für die nächsten 12 Monate sicherstellt. Dennoch, sich in dieser neuen Lebenssituation des Reisens zu befinden ist schon eine neue Herausforderung. Die Sicherheit eines Jobs ist zwar nicht mehr gegeben, was ich statt dessen gefunden haben ist eine Sicherheit in mir selbst, zu mir selbst. Dieses in sich zu finden bringt die Überzeugung mit sich immer wieder auf beiden Beinen zu landen. Was zudem recht hilfreich für die Entscheidung war und ein gutes Gefühl ist: zu verstehen, dass Weniger oftmals Mehr ist.

Save travels,

Torsten