risottoumdiewelt.de | Peru – Gegensätze
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Peru – Gegensätze

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Peru – Gegensätze

 

 

Innerhalb eines Tages aus der gefühlt heißesten und sandigsten Wüste der Welt (stundenlang NIX. ALS. SAND.) in schwindelige Höhen der Anden – in Peru geht sowas. Tatsächlich ist es fast ein bisschen witzig, weil wir uns manche Tage mehrmals umziehen müssen, denn die  Temperaturunterschiede liegen teilweise irgendwo zwischen „bitte kippt uns Eiswürfel in die Shirts“ und „lange Merinounterwäsche“ (auf 4000 Metern wird es ganz schön frisch, selbst die Schweine sind hier wollig!). Flaches Land sind wir als Norddeutsche ja gewohnt; stundenlang nur endlose weite mit Sand und Steinen und ein paar Sträuchern nicht. Immer mal wieder tauchen plötzlich aus dem Nichts kleine Häuseransiedlungen am Straßenrand auf, dort, wo sich einer der unzähligen mächtigen Flüsse aus den Bergen bis runter ins Meer schlängelt, wird selbst die Wüste sattgrün und als wir dann auch noch an Spargelfeldern (wir haben zwei Mal hingeschaut weil wir es nicht glauben konnten!) vorbeifahren, sind wir platt: Spargel. In der Wüste. Natürlich. Hier ist offenbar alles möglich. Zwischendurch machen wir einen „Abstecher in die Berge“, verlieben uns in einen Hund (und nehmen „Turka“ am Ende dann doch nicht mit), müssen gemeinsam mit der irre freundlichen Ortspolizei Bilder machen, übernachten auf 4000 Metern in einem sehr kleinen Bergdörfchen am Straßenrand, bestaunen die Einfachheit der Menschen hier oben und finden sogar Palmen auf den Bergen.

Für die nächste Schwangerschaftsvoruntersuchung fahren wir zu einem deutschen Arzt in die Hauptstadt Perus, nach Lima. Gefühlt muss man hier erst durch die Hölle fahren um dann ins Paradies zu kommen: noch nie haben wir auf so engem Raum und in so kurzer Zeit krassere gesellschaftliche Gegensätze erfahren. Am Rande von Lima (größte Stadt Perus mit gut neun Millionen Einwohnern) leben die Menschen teilweise in einfachsten viereckigen Gebäuden inmitten von staubiger Wüste. Zwar systematisch in Wohnblocks angeordnet aber wir bezweifeln, dass hier jeder Zugang zu Frischwasser und Strom hat. Dann wird die Hauptstraße langsam breiter, der Verkehr explodiert plötzlich und eine gute Stunde lang hupt und zetert es um uns herum als würde es kein Morgen mehr geben. Busfahrer scheren einfach aus auf Rücksicht ohne Verluste, der Blinker wird hier grundsätzlich von allen NICHT benutzt, es gilt die Macht des Größeren, irgendwer macht auf einer zweispurigen Straße manchmal eine dritte Spur auf und wir sind mittendrin. Mal wieder sprachlos, dass das alles irgendwie doch funktioniert. Dann biegen wir gefühlt drei Mal ab, der Verkehr entknotet sich, wir atmen durch und sind im westlichen Stadtviertel „Miraflores“. Hier sieht es aus wie zuhause. Klingt beinahe doof, aber ist wirklich so: die Fußwege sind sauber und geteert. Die Häuser haben stilvoll angelegte Vorgärten und könnten auch in Hamburg Eppendorf stehen, wir sehen teure und sehr teure Autos, die Hunde werden hier von professionellen Gassigehern in Gruppen ausgeführt, manche Restaurants sind so teuer, dass wir beim Blick auf die Karte mit den Ohren schlackern: von null auf hundert quasi innerhalb ein paar Kilometer. Es ist beinahe unwirklich: manche Frisöre haben einen Angestellten, der die Wagen der Klienten parkt; manche Supermärkte haben Feinkostabteilungen die gefühlt ALLES haben und gleichzeitig wissen wir: ungefähr 50km nördlich von uns sieht es alles ganz, ganz anders aus. Wir bleiben zwei Nächte hier, atmen einmal durch, finden ein deutsches Café und kaufen Laugenbrezel und Sauerteigbrot und wo wir schon beim Thema sind: dem Baby geht es gut.

Weiter in Richtung Süden entscheiden wir uns gegen die Bergroute mit dem berühmten „Macchu Picchu“, das Wetter ist zu nass und die Ruinen der Inka sowieso völlig überlaufen. Statt dessen machen wir ein paar Tage „Strecke“ durch die Wüste, halten an einer Oase mitten in gewaltigen Dünen, bestaunen in Nasca die uralten in den Boden gescharrten Geoglyphen (Wahnsinn!), finden eine Werkstatt mit einer Metall-Drehbank und lassen uns einen Adapter für unseren Gastank bauen, denn der ist leer. Mit Händen und Füßen und ganz viel Herz kommunizieren wir mit Carlos (das ist der mit dem dicken Bauch auf den Fotos): er ist der erste Peruaner der auf die Frage nach möglicher Hilfe nicht sagt „una problema“, sondern „Claro!“, sammelt im Nullkommanix seine Arbeitskollegen und Material ein und bastelt uns innerhalb von fünf Stunden einen Adapter. Mit dem können wir jetzt problemlos unseren im Van integrierten Propangastank befüllen und wieder kochen, und der Kühlschrank ist auch kalt. Während der fünf Stunden Werkstattarbeit lernen wir seine komplette Familie samt Kindern, Bruder plus Familie, Hunde und Wellensittich kennen; wir werden zum Mittagessen eingeladen (zwei Mal!), nach getaner Arbeit wird ein Bier getrunken und über Fußball philosophiert (hier kennt logischerweise jeder Claudio Pizarro), wir machen noch Fotos mit allen und dann müssen wir uns förmlich losreissen weil man uns gar nicht gehen lassen will. Aber wir wollen weiter, noch ein paar Tage in Peru  – dann geht es nach Bolivien!