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PATAGONIEN

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PATAGONIEN

Wenn ihr Natur und Weite und Abgeschiedenheit mögt, wird euch dieser Reisebericht vermutlich extremes Fernweh machen, wir warnen euch also vor. Selbst wenn ihr lieber bis maximal an die platte Nordsee fahrt: einen Blick auf die Bilder und Geschichten, die wir aus Patagonien mitgebracht haben, sind unserer Meinung nach absolut aushaltbar. (Für die kleinen Schlauberger unter euch: Patagonien liegt sowohl in Chile als auch in Argentinien. Etwas lapidarer ausgedrückt – die Erdkundelehrer unter euch mögen es uns verzeihen – es ist der untere Zipfel von Südamerika, so um ein Drittel des Kontinents.)

Über Patagonien wussten wir nicht viel außer die klassischen Dinge: wild, abgeschieden, dünn besiedelt, tolle Natur – am Ende unserer siebenmonatigen Reise werden wir oft über diesen riesigen Landstrich sprechen und daran zurückdenken, weil: wenn man erst einmal drin ist in diesem sonderbaren Kosmos, der mit dem Rest unserer Welt gefühlt wenig zu tun hat, dann ist es schwer sich von diesem Zauber wieder zu lösen, der dort unten in allem steckt.

 

Hier gibt es so viel „draußen“. Die Pampa scheint mit dem Horizont zu knutschen, so flach ist es. Über hunderte Kilometer sehen wir ausschließlich platte, karge Ebene und nicht enden wollende Zäune, die die riesigen Flächen verschiedenen Besitzern zuordnen. Dann tauchen im Sichtfeld erst weiße Schatten auf, die sich schnell als riesige, mit Schnee bedeckte Bergketten am Horizont herausstellen, von denen wir zu dem Zeitpunkt allerdings noch gute 350km (!) weg sind. Ein paar Tage später stehen wir im Regenwald mit Pflanzen, deren Blätter größer sind als wir selber, im grünen Dickicht surren flinke Kolibris von A nach B und wir: sprachlos mittendrin.
Die Flüsse sind teilweise so gewaltig und klar dass wir meinen, sie müssten irgendwo direkt in einem „Der Herr der Ringe“-Film entspringen, und wenn uns eine kleingewachsene Gestalt mit übergroßen Füßen auf den Schotterwegen begegnet wäre, wären wir vermutlich nicht sehr überrascht gewesen. Wir können nachts die Milchstraße mit bloßem Auge sehen, sitzen im Stockdunklen vor Wilma in unseren Campingstühlen und bringen nicht mehr als ein „wow“ hervor.
Ganz im Süden von Patagonien färben sich dank der Jahreszeit die Bäume an den Berghängen feuerrot. Irgendwann ist das Festland zu Ende und uns wird gesagt das nächste Festland sei die Antarktis. Es fühlt sich alles unwirklich an.
Während wir in Norddeutschland schon völlig überfordert damit sind, dass der Wolf wieder heimisch geworden ist, leben die Menschen hier mit anderen Kalibern: es gibt mehr oder weniger überall Pumas, einen zu Gesicht bekommen wir allerdings nie. Dafür sehr große Stinktiere – ein guter Sicherheitsabstand ist absolut angebracht. Wir sehen Delfine, Wildpferde, Füchse und unzählige Vögel aller Art (wenn man in einer kargen Kleinstadt an einem unspektakulären See vorbeifährt und rosa Flamingos darin stehen sieht mag man das zuerst gar nicht glauben. Sogar Königspinguine gibt es hier auf dem Festland, es ist ein wenig surreal), haarige Gürteltiere zischen wie kleine Ufos auf dem Boden durch die wenigen Sträucher, riesige Andenkondore kreisen über unseren Köpfen – teilweise so nah, dass wir den Wind durch ihre Federn pusten hören können -, wuschelige Alpakas stehen grasend am Straßenrand. Letztere bleiben trotz ihrer Fähigkeit sehr hoch springen zu können häufig im besagten Stacheldraht hängen, wir sehen viele Skelette. Ein Mal retten wir ein Halbstarkes, dass sich mit den Hinterläufen in der obersten Drahtreihe so verfangen hat, dass es sich nicht mehr von alleine befreien kann. Es quiekt panisch vor Angst als wir uns ihm nähern (der Rest der Herde steht ein paar Meter entfernt und beobachtet uns) und mit einer kleinen Zange durchtrennt Torsten das Stück Draht, was sich mittlerweile tief in die Lendenregion des Tieres geratscht hat. Zum Glück ist die Wunde nicht sehr groß und wir glauben, dass das Tier, das schnaubend zum Rest seiner Herde galoppiert, noch seine Urenkel miterleben wird. Wir brauchen danach erstmal einen Schnaps.
Wir klettern auf eisblaue Gletscher, wir sehen (und riechen!) Seelöwenkolonien an verlassenen Stränden, wir lassen uns von heftigstem Wind, der über die Ebene streift, die Haare durchwuseln, wir finden Dinosaurierknochen und versteinerte Haifischzähne…es ist wie ein Abenteuerspielplatz in einer magischen Welt. Wir könnten Stunden so weitererzählen.

Das Land verändert sich hier so oft. Eben noch grün, jetzt karg. Eben noch riesige Bergmassive, jetzt platt wie eine Flunder. Nur Eines ist überall gleich: die Menschen sind ausnahmslos freundlich und hilfsbereit. Vom in dicken Lagen Kleidung eingehüllten Bauern auf seinem Pferd, der seine Schafherde am Straßenrand nach Hause treibt, bis hin zum Tankwart im 300-Seelen-Ort am gefühlten Arsch der Welt: wir blicken in klare Augen, die uns aus wettergegerbten Gesichtern anlächeln. Einmal werden wir von Emil und Lilly, einem argentinischen, älteren Ehepaar (beide sind Mitte 70) beinahe adoptiert, obwohl wir uns erst weniger Stunden zuvor das allererste Mal im Leben gesehen haben….aber das ist eine neue Geschichte, die wir euch ein anderes Mal erzählen werden!