risottoumdiewelt.de | Mexiko
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Mexiko

  • Der erste mexikanische Grenzbeamte, auf den wir stoßen, heißt Manuel und ist supernett.
  • Nach einem langen Tag on the road erhaschen wir noch die letzten Lichtstrahlen über dem Meer.
  • Eine Straße. Ein Vulkan. Ein typischer Wüstenbaum. Viel Himmel.
  • Einer der Campingplätze in Mexiko. Diesen hier hatten wir ganz für uns alleine.
  • Klassische mexikanische Weihnachtsbeleuchtung. Finden wir ein wenig befremdlich!
  • Am Straßenrand sehen wir viele Vaqueros, mexikanische Cowboys.
  • Typische mexikanische Vorspeise: Maisnachos mit Guacamole und
  • Echte mexikanische Piñatas! Diese hier sind handgefertigt (aus Pappe) und werden besonders um Weihnachten gern gekauft - innen drin sind Süßigkeiten für die Kinder, die die Figuren mithilfe eines Stocks und mit verbundenen Augen zerschlagen.
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  • Wir überlegen ob wir den mitnehmen um ihr zu retten...!
  • Unser letzter Halt in Mexiko: die Hafenstadt Veracruz. Hinter uns steht irgendwo Wilma auf dem großen Hafengelände und wartet auf den Abtransport nach Kolumbien.

Mexiko

 

Nachdem wir also viele unschöne Geschichten über Mexiko als solches gehört haben, fahren wir angespannt in die Grenzstadt Nogales, Arizona. Hier werden wir die Grenze passieren. Uns wurde vorher gesagt: immer schön die Reifen gerade halten wenn man über die huggeligen Bodenschwellen fährt, dann bekommt man ein grünes Licht. Wir halten uns daran, das Licht leuchtet grün – und dennoch werden wir kurz danach von drei Grenzbeamten rechts raus gewunken. Einer davon inspiziert kurz Wilma von innen, ein anderer fragt uns ob wir spanisch sprechen und wo wir her kommen – ich halte meine Klappe und murmle nur schnell was auf Deutsch, Torsten steigt aus und erzählt unsere Geschichte hinter „Risottoumdiewelt“. Der freundliche Grenzbeamte will ein Foto mit uns, wir drücken ihm noch eine Visitenkarte in die Hand und Manuel sagt noch lächelnd, er werde unserer Reise nach Südamerika auf jeden Fall folgen. Dann dürfen wir fahren.

Auf dem Weg aus der Stadt werden wir ein Teil unseres Kleingeldes an der ersten Ampel los, weil zwei junge Männer unsere staubige Frontscheibe sauber machen. Wir sind überfordert: was sollen wir geben? Wie sich später rausstellt haben wir zehn Mal so viel wie die  normale Entlohnung geblecht – Anfängerfehler. Die Beiden freuten sich dementsprechend mächtig. Das soll uns in den nächsten Tagen noch sehr oft passieren, der Versuch das landesübliche Maß zu treffen. Ansonsten atmen wir erstmal tief durch und lassen die neuen Eindrücke auf uns wirken: viel mehr Menschen auf den Straßen, ein bisschen mehr durcheinander als auf der anderen Seite der Grenze und irgendwie ist es plötzlich viel wärmer.

Um das Touristenvisum und die Autoeinfuhrerlaubnis zu bekommen müssen am „Immigrations-Büro“ anhalten. Das klappt alles recht unkompliziert und so sind wir sehr schnell wieder unterwegs. Weil uns vorher wirklich eingeimpft wurde, „egal was ihr in Mexiko macht, fahrt niemals nachts!!“ fahren wir ein wenig gegen die Zeit, wir können die Straßenverhältnisse und die Strecke trotz Navi nicht so richtig einordnen. Dann kommt auch noch dieser nie enden wollende Stau. Weil hier wirklich alle wie besenkte Säue fahren (in der Baustelle sind 40 erlaubt, wir fahren 75 und werden mit 90 überholt) wundert uns der ziemlich üble Unfall mit einem Reisebus und mehreren Wagen, der den Stau verursacht hat, nicht. Wir sind froh, dass uns nichts passiert ist und jagen weiter. Übrigens sind Standstreifen im Norden Mexikos wenig verbreitet und die Straße zur linken fällt in der Regel stark ab.

Schnell befremdlich für uns ist neben der starken Polizeipräsenz auch die Militärpräsenz auf der Straße. Wir sehen Soldaten in Tarnuniformen in und auf Pick-Up Trucks durch die Straßen fahren, sowas kennen wir ja nur aus dem Fernsehen wenn aus einem Kriegsgebiet berichtet wird. Sie sind bewaffnet, schwer. Wir wissen das überhaupt nicht einzuordnen: sollen wir uns jetzt sicherer fühlen oder eher unsicherer?

Und so sehen die nächsten Tage dann mehr oder weniger aus: bei Tageslicht fahren, rechtzeitig zum Campingplatz oder wenn kein Campingplatz vorhanden ist, ein Hotel erreichen („wildcampen“ steht auf der Skala der Dinge, die wir in Mexiko niemals machen sollen hinter „nachts nie fahren“ gleich auf Platz zwei), gegebenenfalls den kommenden Streckenabschnitt überplanen, Feierabendbier, was essen – und danach fallen uns meistens die Augen zu. Die staubige Hitze macht uns die ersten Tage arg zu schaffen, das Trinkwasser in unseren Flaschen wird so warm, dass man Tee draus machen könnte – und dann dieses stundenlange, eintönige GERADEAUS. Wir feiern jede Kurve die das Navi ankündigt schon Kilometer im Voraus und schwitzen uns beinahe flüssig.

Nach drei Tagen wird Mexiko hügeliger und grüner, die Temperaturen sinken unter 30 Grad, unsere Gehirne hören auf zu blubbern. Wir erreichen Tepic, eine fröhliche und belebte Stadt im Westen Mexikos. Die Menschen hier wirken „normaler“ auf uns, die Kleidung wird bunter, es ist insgesamt mehr Leben im Spiel. Im Norden des Landes sind wir teilweise in bettelarmen Menschen vorbeigefahren und wenn man sich darüber im Klaren wird, dass viele kein weiteres Einkommen haben außer das, was sie mit Tortillas als Mittagessen, Tüten voller Nüsse oder eben Autoscheiben putzen am Straßenrand verdienen, dann wird man plötzlich still. Einmal sehen wir einen alten Mann, der gefangene Loris (das sind so bunte Minipapageien) in einem winzigen Käfig verkauft. Ich (Rieke) bin erst empört und will alle Tiere freikaufen, dann wird mir schnell klar wie dämlich das ist und dass ich mir lieber mal viel mehr Gedanken machen sollte, warum ein alter Herr in aufgetragener Kleidung so etwas überhaupt tun muss und nicht irgendwo in Opi-Manier in einem quietschenden Schaukelstuhl sitzt und wohlwollend eine Zigarre pafft. Und dann, ein paar Stunden weiter, absoluter Konsum in einer großen Einkaufsstadt mit viel Bling-bling und noch mehr fetten Autos auf dem rappelvollen Parkplatz. Arm ist Mexiko unserer Meinung nach nicht – das Geld ist hier nur viel krasser von „wenig“ zu „viel“ verteilt als bei uns zuhause, wir merken ein deutliches Nord-Süd Gefälle.

Mexiko-Stadt mit seinen geschätzten 20 Millionen Einwohnern umfahren wir mit einem großen Bogen. Wir müssen es rechtzeitig bis nach Veracruz an den Atlantik schaffen, sonst legt die Autofähre ohne Wilma ab. Wir kommen laut unserem Zeitplan an – nun muss nur noch der mexikanische Zoll gute Laune haben und dann wird Wilma am 29.11.2016 auf große Reise gehen, von Veracruz, Mexiko bis nach Cartagena, Kolumbien. Wir haben neben Papierkram erledigen endlich Zeit ein wenig das mexikanische Leben zu atmen. Und abends in der Stadt mexikanisches Bier zu trinken.

Wir sind bisher noch keinem unfreundlichen Mexikaner begegnet. Ganz im Gegenteil –  jedem, dem wir ein Lächeln geschenkt haben hat es mit einem Lächeln erwidert. Alle haben uns selbst trotz unserer miserablen Spanischkenntnisse freundlich geholfen. Auch sind wir noch in keine der berüchtigten Polizeikontrollen gekommen, bisher immer freundliches Durchwinken aller Polizisten. Aufgeladen mit Vorurteilen sind wir in dieses Land gefahren. „Haltet ruhig mal ein paar US-Dollar zum schmieren bereit…“, hat man uns erzählt. Diese Vorurteile haben wir schnell abgelegt und das fühlt sich gut an. Wir haben ein schlechtes Gewissen, Mexiko in eine Schublade gepackt zu haben. Sicherlich gibt es für ein sicheres Reisen in jedem Land der Erde ein paar Verhaltensregeln, die es zu beachten gilt. Genauso in Mexiko, nicht mehr und nicht weniger – danke Mexiko für diese Lektion!

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