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Kanada/USA

  • Auf der Fähre von Victoria, Kanada nach Port Angeles, USA.
  • Unsere erste Nacht in der Wildnis.
  • Die Unruhe vor dem Sturm
  • Die Ruhe nach dem Sturm
  • Wir lieben unsere großen Rückspiegel.
  • Mehr Strand geht nicht.
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  • Huch, hallo Golden Gate Bridge!
  • Wir waren wirklich da.
  • Unsere erste Nacht auf einem Trailer-Campingplatz in den USA.
  • Uuupsi.
  • Born to be wild
  • Die Wüste um Phoenix, Arizona.
  • Wir finden Wilma so gemütlich.

Kanada/USA

Von Kanada in die USA: an der Westküste durch Oregon und Kalifornien bis nach Arizona

(Ri) Unsere Reise ist 48 Stunden alt und ich brauche dringend ein alkoholisches Getränk, um meine Nerven zu beruhigen. Es ist kurz nach 7 Uhr am Samstagmorgen und ein Park-Ranger hat gerade an unserem Campervan-Fenster geklopft. Mit Nachdruck. Weil wir auf dem Parkplatz eines Parks übernachtet haben TROTZ vieler Hinweisschilder, dass genau DAS verboten sei.
In den wenigen Sekunden die Torsten braucht um sich ein T-Shirt überzuwerfen und die Tür zu öffnen, spiele ich schnell alle möglichen Szenarien in meinem Kopf durch: wir werden gleich also mit strubbeligen Haaren und nur in Unterwäsche bekleidet in Handschellen abgeführt. Oder wir werden auf diesem sehr abgelegenen Parkplatz von diesem sehr mit Nachdruck klopfendem Park-Ranger schlichtweg erschossen (hey, wir sind in Trump-Land!). Stattdessen fordert er uns bestimmt und höflich auf, den Park innerhalb der kommenden fünf Minuten zu verlassen, sonst drohe uns eine Camping-Gebühr. Ich sitze während dieses Dialoges übrigens außerhalb des Sichtfeldes – nackt und kauernd unter der Bettdecke – und traue mich nicht einmal zu atmen.

Willkommen, Van-Life. Wir leben von jetzt an zu zweit auf ungefähr sieben Quadratmetern. Dass wir die vergangene Nacht überhaupt überlebt haben, grenzt in meiner Wahrnehmung sowieso an ein Wunder: es ist ein beachtlicher Herbststurm über die Westküste hinweggezogen und die mickrige Sanddüne zwischen uns und dem offenen, tobenden Pazifik hat den aggressiven Wind nicht mal ansatzweise abhalten können. Wilma hat zwischendurch den Anschein gemacht sie würde nicht auf einem ebenerdigen Parkplatz stehen sondern als ruckelnde Transsibirische Eisenbahn arbeiten. Und während ich also abwäge, wie groß wohl die Gefahr einer Sturmflut ist und ob die Türen von Wilma auch bei hohem Wasserdruck aufgehen, liegt Torsten neben mir und: schnarcht.

Die ersten Tage reichen bereits um ein dickes Buch zu schreiben. Wir sind von Victoria, Kanada (Vancouver Island) bis nach Bakersfield, Kalifornien (knapp zwei Stunden nördlich von L.A.) gefahren. Vier Tage sind rum, die meiste Zeit waren wir bisher in diesem „Let’s make America great again! – Land“ und haben alles „von – bis“ gesehen. Von abgeschiedenen, sattgrünen endlos bewaldeten Landschaften; eher verkommenen und teilweise sehr arm scheinenden Regionen; die wunderschöne raue aufbrausende Westküste mit Wellen wie aus einem Surferparadies; einem dunklen, alten Redwood-Wald mit so großen Bäumen, dass sie gefühlt durch die Wolken wachsen; dicht besiedelte Vorstadtregionen mit offensichtlich nur einem Ziel: Konsum, Konsum, Konsum (wenn man vom Highway aus plötzlich nichts weiter als Einkaufszentren, Fast Food Läden und gigantische Autohäuser sieht und es kein Ende zu nehmen scheint wundert man sich doch); einer fein herausgeputzten Wohngegend in San Francisco und dann schließlich stundenlang totaler Trockenheit mit staubiger, platter Einöde und dazu absurderweise Plantagen mit Mandel- oder Orangenbäumen soweit das Auge sehen kann: Monokultur im größten Stil.
Manche Menschen wirken verstörend auf uns: im Supermarkt treffen wir heruntergekommene Leute oder gefühlt recht beschränkte Köpfe mit Tunnelblick (Notiz am Rande: wir wollen hier nichts werten, was wir nicht kennen – es beschreibt lediglich unser Gefühl) und in der Stunde die wir bei Mc Donalds das kostenlose WLAN nutzen wird klar: sehr, sehr viele Menschen machen sich hier absolut keine, null, nada Gedanken über ihre Gesundheit. Oder über Nachhaltigkeit. Oder über die Welt an sich.

Zum Glück gibt es auch weltoffene und reflektierende Amis. Zwei davon besuchen wir in Phoenix, bevor es nach Mexiko geht – drückt uns die Daumen, dass in Mexiko alles gut läuft!