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Ecuador

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Ecuador

Zwei Wochen haben wir auf einem idyllischen Campingplatz in Ecuador mit Blick auf eine ruhige Lagune und einen mächtigen Vulkan verbracht. Ein bisschen waren wir hier „zwischengeparkt“; weil wir im Dunkeln auf der Straße einen Entschleunigungs-Huggel übersehen hatten und mit voller Wucht drüber gebrettert sind, brauchte Wilma neue Federn und ein paar andere Ersatzteile. Und weil die erst bestellt werden mussten und in Ecuador sehr oft „mañana, mañana!“ („morgen, morgen!“) gilt, mussten wir uns schlichtweg in Geduld üben. 

Auf dem Campingplatz „Finca Sommerwind“, geführt von Hans aus Deutschland (zuletzt in der Nähe von Syke bei Bremen gewohnt, so klein ist die Welt!) gibt es frisches Brot, selbstgemachte Marmelade und klare Luft, also nicht der schlechteste Platz um zu warten. 

Außerdem haben wir viele andere Reisende kennengelernt, die die Feiertage hier verbracht haben – Heiligabend und Silvester haben wir mit Schweizern, Australiern, Argentiniern, Kanadiern, Ecuadorianern und anderen Deutschen verbracht. Es wurde gegrillt, jeder hat einen landestypischen Salat oder ähnliches dazu gesteuert – was für ein leckeres und ungewöhnliches  Fest! 

Wir sind vor allem begeistert von den Geschichten Anderer. Es ist manchmal beinahe surreal: ein kanadisches Paar reist mit ihrer elf Jahre alten Katze im Van, das haben wir aber erst geglaubt als wir Miezi dann auch wirklich gesehen haben.

Selin und Serkan aus der Türkei reisen beispielsweise mit Motorrädern Richtung Süden und sind schon ein halbes Jahr unterwegs. Oder Michael und Marion aus Harsefeld bei Hamburg, beide Mitte 60: anstatt ihre Rente für Fahrradtouren im Alten Land zu verpulvern, sind sie bereits das zweite Mal für mehrere Monate mit einem Landrover in der Welt unterwegs. Und strahlen so viel Lebensfreude aus, dass wir nachhaltig beeindruckt sind.

Stefan und Petra – seit sieben (7!!!) Jahren fahren die Beiden mit einem selbst umgebauten Bundeswehr-LKW durch die Welt. Sie zeigen uns Bilder aus dem Oman, aus Indien, Jordanien, Nepal, China…und wir fragen uns: wie macht man das, wie finanziert man sowas? Tatsächlich merken wir selber, Reisen muss nicht teuer sein. Natürlich haben wir  gespart, aber weil große Ausgaben wie Miete, Auto etc. auf der Reise wegfallen, haben wir unsere Ausgaben ganz gut im Griff. (Das kleine Nutellaglas im ortsansässigen Supermarkt für fünf Euro musste übrigens trotz des Preises mit…!) 

Vor einigen Tagen dann fährt eine Familie aus Holland auf den Campingplatz. Nils und Miranda sind mit ihren vier Kindern im Alter von vier bis 16 namens Victor, Marcus, David und Oscar (tatsächlich haben sie fünf Kinder, aber der Älteste ist grad 18 geworden, hatte offensichtlich die Schnauze voll und ist zurück nach Hause geflogen) bis nach Patagonien unterwegs. Unsere Münder stehen offen, wir beobachten mit Respekt wie sich die Bagage organisiert, miteinander umgeht – denn Reisen auf engem Raum kann anstrengend sein und mit so vielen Leuten müssen sicher jeden Tag neue Kompromisse gemacht werden. Und doch: die strahlen Harmonie aus. Wir sind mal wieder beeindruckt.

Die Liste der „Reisefreunde“ wächst – mit Frederike und Gary (ursprünglich aus Mecklenburg-Vorpommern und Kanada) kloppen wir stundenlang „Siedler von Cathan“ – Karten und lachen uns kringelig.

Insgesamt gefällt uns Ecuador nur bedingt – direkt an der Panamericana, auf der wir viel fahren, ist es oft unfassbar hässlich, dreckig, chaotisch, unorganisiert, laut – und wir wundern uns, warum die Menschen hier so überhaupt kein Bedürfnis nach „Wohnharmonie“ haben. Wir überqueren den Äquator, machen schnell ein Foto und düsen weiter. Sobald wir ins Innere des Landes fahren, werden viele Häuser sehr einfach und die Natur wunderschön. In den Bergen verlieren wir uns auf ausgewaschenen Wegen, wir sind erstaunt auf welcher Höhe die kleinen funkelnden Kolibris noch um uns herumschwirren, ein Mal geraten wir in ein Unwetter mit Hagel und beinahe-Erdrutschen (man beachte das verbogene Nummernschild auf dem Foto in den Bergen, das kam von den Wassermassen vorher!), ein paar Mal denken wir „das war’s, hier kommt Wilma nicht weiter“. Bisher haben wir tatsächlich alle Ziele erreicht und nur die Liste der Abenteuergeschichten, die wir erzählen können, wird länger und länger. Die Berge schwingen sich sanft und hoch, wir fahren durch Wolken, durch Regenwald, wandern durch dichten Nebelwald, sehen kilometerlang bewirtschaftete Äcker an den steilsten Hängen, fahren stundenlang an Bananenplantagen entlang und fragen uns: „wer isst das alles?“ , entdecken leuchtende Kraterlagunen und aktive Vulkane, lassen riesige Andenkondore über unsere Köpfe hinweg schweben und sind sprachlos ob des Glücks diese Vögel in freier Wildbahn sehen zu dürfen, duschen auf 4000 Metern unter freiem Himmel mit Uhu im Baum und freuen uns über die ersten wuscheligen Lamas, die uns aus neugierigen Knopfaugen anblinzeln.

Nächster Halt: Peru. Wir freuen uns auf ein neues Land mit neuen Eindrücken. Liebe Grüße nach Hause!