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Das bunte Cartagena

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Das bunte Cartagena

Cartagena de Indias ist unbeschreiblich bunt. Die Kolumbianer repräsentieren besonders hier einen massiven Teil der menschlichen Vielfalt, den es in unserer Welt gibt. Das liegt an der Geschichte Cartagenas: früher war diese Hafenstadt Umschlagpunkt für Sklaven aus Afrika, und die Nachfahren wohnen noch heute hier. Es gibt hier alle möglichen Hauttöne, ergänzt wird das durch die farbenfrohe Kleidung und den unzähligen bunten Häusern in der Altstadt Cartagenas. Ihr kennt doch in den Baumärkten die Farbabteilung – dort finden wir doch diese Farbskalen, die uns helfen die richtige Farbe für unsere nächste Renovierung zu finden. In Cartagena finden wir an den Häuserwänden gefühlt jede Farbpalette einmal rauf und runter.

Die letzen Tage haben wir die Altstadt schon auf eigene Faust erkundet und so viele Eindrücke wie möglich in uns aufgesogen. Heute haben wir mit Christoph aus Belgien (Facebook: „Streetart Cartagena“) eine zweistündige Graffiti-Tour durch das alte Zentrum der Stadt gemacht. Graffitis sind in Kolumbien in der Regel illegal, werden allerdings häufig toleriert. Es gibt zwar die Möglichkeit legal Graffitis an eine Wand zu bringen, dazu braucht der Künstler aber eine Genehmigung, die viel Geld kostet.

Warum werden illegale Graffitis toleriert? Leider kam es 2011 zu einem tragischen Ereignis in Bogotà. Diego Felipe Becerra, 16 Jahre jung, wurde beim graffitisprühen von einem Polizisten erschossen. Das löste eine erste Protestwelle aus. 2013 folgte die Zweite. Popsänger Justin Bieber sprühte damals unter dem Schutz einer Polizeieskorte eine Friedensbotschaft an eben jene Wand, an der der junge kolumbianische Künstler damals erschossen wurde. Nicht, dass Justin Biber für die Kontroverse gesorgt hat – es war die Polizeieskorte, die für seinen Schutz sorgte. Lokale Künstler erzürnten sich über die unterschiedliche Behandlung. Einer der Ihren wird erschossen und eine Person der Öffentlichkeit wird von der Polizei eskortiert – auch in unserem Verständnis doch eher verstörend.

So kommt es also, dass nicht nur die bunt gestrichenen Häuser ins Auge fallen, sondern auch die unzähligen, teilweise wandausfüllenden Graffitis. Die Kunst an den Wänden hat oftmals eine Botschaft. Sie erzählt von der Sklaverei, der Befreiung Kolumbiens, der Verdrängung der einheimischen Cartagener aus der Altstadt, Rassismus, Umweltverschmutzung, dem sterotypen Bild der Frau in der südamerikanischen Gesellschaft.

Schwerpunktmäßig waren wir im Viertel Getsemani unterwegs. Die ursprünglichen Bewohner können sich das Leben hier immer weniger leisten, verkaufen oder vermieten bestenfalls ihr Eigentum. Verdrängt werden sie meist durch Investoren, die Bars, Restaurants und Hotels für uns Touristen entstehen lassen. So sind die Graffitis ein Aufschrei der Cartagener. Sie äußern ihren Unmut durch Kunst an den Wänden ihrer Häuser. „WIR VERKAUFEN NICHT! WIR VERMIETEN NICHT!“

Es war eine lehrreiche und spannende Tour. Wir haben viel über die Stadt erfahren, schöne Dinge und weniger schöne Dinge. Die Stadt ist eine der reichsten Städte Kolumbiens – allerdings ist hier vieles illegal. Geld zieht anscheinend Korruption nach sich. Und so ist Cartagena leider auch dafür in Kolumbien bekannt.

Der lokale Hafen ist auch im Jahr 2016 einer der Hauptumschlagsplätze für Kokain, das neben Kolumbien hauptsächlich aus Peru und Bolivien kommt. Somit ist auch viel Schwarzgeld in der Stadt, das gewaschen werden muss. Drogen und Geld haben leider noch weitere Begleiterscheinungen wie Prostitution (wobei uns das kaum auffällt).

Wir diskutieren viel darüber, was wir als Reisende tun können. Ja, wir haben eine Verantwortung, die wir gerne wahrnehmen wollen. Und wir kommen zu dem Schluss, dass auch die Zuständigen der Stadt Cartagena und des Landes Kolumbiens eine Verantwortung haben, nachhaltige Entwicklung zu fördern. Letztendlich hat sich für uns nur ein kleines Fenster geöffnet. Vieles scheint uns ausschließlich kurzfristig durchdacht und angelegt zu sein, um den Touristenboom mitzunehmen. Wie kann es zum Beispiel sein, dass am beliebten Strand „Playa Blanca“ ein wenig außerhalb Cartagenas im letzten Jahr nur noch eine einzige Meeresschildkröte ihre Eier abgelegt hat? Weil dieser Strand mittlerweile mit Hotels und Bars zugepflastert ist. Oder warum führt die Vollbelegung eines großen und teuren Hotels dazu, dass das sehr einfache und eher arme angrenzende Wohnviertel kein Wasser mehr hat? Das macht uns nachdenklich.

Wir wollen niemanden grundlos verurteilen, das liegt uns fern. Vielmehr wollen wir uns darüber austauschen und diskutieren. Doch eines bestätigt sich für uns: Wissen ist der Trostpreis und Erleben ist der Hauptgewinn!